Zum Valentinstag
Story
Wer bin ich?
Ich bin das Kuscheltier, das ans Herz gedrückt wird und das Herz erwärmt.
Später vielleicht eine Katze, ein Hund oder Lämmchen. Dreh dich einmal um, und ich bin Mensch geworden: ein Wesen mit großen Augen und grenzenlosem Vertrauen und großen Erwartungen.
Alter egal. Ich reiche vom Baby, vom Kleinkind, bis zum durch die Welt fuhrwerkenden Etwas ohne jede Ahnung auf dem Weg zum Erwachsenen. Erwachsene selbst suchen mich den Rest ihres Lebens verzweifelt, aber die meisten sind einfach zu erwachsen für mich.
Ich bin eine vergnügungssüchtige, ungerechte Göttin mitsamt ihrem nutzlosen Sohn. Ständig fallen wir uns in den Arm, im Versuch, das Schlimmste zu verhindern – oder es noch schlimmer zu machen. Je nachdem, was mehr Unterhaltung verspricht.
Mit Logik hat das nichts zu tun. Der Lauf der Welt ist uns egal. Wir sind unsterblich.
Wir sind die Komponenten des unterhaltsamsten Spiels, das die Natur je gespielt hat. Zusammen sind wir ich.
Die Spielregeln? Wer braucht Spielregeln?
Das Spiel spielt sich von selbst. Es wird aus Mangel gespeist, und irgendein Mangel findet sich immer. Der nächste Schritt ist Sehnsucht. Wer Glück hat und ein bisschen Grips, kann seinen Mangel zum Bedürfnis formen, und aus ziellosem Seufzen wird ein konkreter Wunsch, ein Ziel. Anschließend wird alles darangesetzt, dieses Ziel zu erreichen, denn dort wird Erfüllung vermutet. Also Glück.
Und dann funke ich dazwischen. Ha.
Ich weiß nicht, warum sich das noch nicht rumgesprochen hat, aber das ist genau der Ablauf, wie er sich seit Anbeginn der Menschheit gestaltet: Mach einen Plan, damit ich ihn umschmeißen kann. Und versuche nicht, mich auszutricksen, indem du erst gar nichts planst, weil das ja eh hinfällig wird.
Nein, wenn du keinen Plan machst, werde ich in deinem Leben überhaupt nicht erscheinen. Ich brauche schon was zum Umwerfen, zum aus der Fassung geraten, unter die Haut gehen, zum vom Wege abkommen und alle Vorstellungskraft sprengen.
Da muss schon was da sein. Ein Leben, ein Alltag, ein Muster, eine Art von Frieden.
Damit ich es sprengen kann.
Ich kann nichts versprechen. Ich weiß selbst nicht, wie lange es dauert oder wohin es führt. Vielleicht liegt dein Leben danach in Scherben. Vielleicht bist du für immer verstummt.
Vielleicht hörst du nicht mehr, wenn jemand bei dir anklopft, wieder und wieder. Vielleicht hast du keine Ahnung, was passiert ist und wie das klappen soll, es zu überleben. Vielleicht bist du auch die beste Version deiner selbst geworden, die möglich war. Frag nicht – ich weiß es auch nicht. Ich bin nur der Bote, der zündende Funke. Der Rest liegt bei dir.
Warum ich das tue? Würde ich es nicht tun, wäre das Leben vorhersehbar und das würdet ihr nicht aushalten. Ob ihr leidet oder euch freut, ist euch fast egal. Euer Lachen klingt wie Weinen, euer Weinen wie Lachen. Nur eure Trauer ist stumm. Meine Abwesenheit ist es, die euch langsam bricht.
Dabei bin ich nie fort. Nur wenn ihr euch abwendet.
Nicht, dass mich das wundern würde. Ich bin launisch, eitel, unfair und inkonsequent und habe viele schlechte Tage. Wenn ihr mich partout nicht brauchen könnt, dann komme ich, und wenn ihr mich dringend benötigt, habe ich Besseres zu tun. Kommt mir nicht mit Erwartungen und bestellt nichts bei mir, das wie angegossen passen soll.
Übertragt mir keine Aufgaben, für die ihr selbst zu faul seid. Behauptet nicht, ich lasse alle Fünfe gerade sein, wenn ihr keine Lust habt, anderen gerecht zu werden. Oder euch selbst. Erzählt mir nicht, ich würde alle eure Probleme lösen. Und hört auf, mich immer mit Glück zu verbinden. Meine Güte!
Klar, Glück ist ein alter Freund von mir, aber selbst ich muss diese Freundschaft sorgsam pflegen. Es ist immer noch sehr scheu und hat es nicht so mit Menschen. Mit euren Problemen habe ich nichts zu tun.
Der Ball liegt bei euch. Ihr seid es, die das Spiel spielen. Ich bin nur der Flitzer auf dem Spielfeld. Der Regelbrecher. Der Lustmolch. Der Spaßmacher. Der große Frieden, für fünf Minuten. Die Zartheit. Das Zutrauen. Die wilde Freude. Das Ende aller Vernunft, der Anfang aller süßen Träume. Die Ahnung von etwas, das größer ist als ihr.
Seid nicht zu hart mit mir. Ich mache doch nur meinen Job und habe selber keine Ahnung, was ich tue.
Ich weiß nur, dass es funktioniert.
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Spiel-regeln? Wer braucht Spiel-regeln?
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