Wie ich meinem Helden begegnet bin

Story

Als sich mal ein Astronaut bei mir bedankte

Es war ein schöner Spätsommerabend in Berlin, als ich meinen ersten Astronauten traf.

Artemis 1, die neue Mondrakete, sollte an diesem Abend starten, aber als wir am Planetarium ankamen, wo alles live übertragen werden sollte, war der Start erneut verschoben worden.

Zum wievielten Mal jetzt?

Zwar wurde uns angeboten, live bei der Fehlersuche und dem Abbau des Launch Pads dabei zu sein, doch wir hatten Hunger und Durst, und der Astronomiestudent am Eingang sagte, sie hätten hier bloß einen Snackautomat und er sei sich nicht sicher, ob der aufgefüllt sei.

Also holten wir uns ein Bier vom Späti gegenüber und setzten uns auf die noch warmen, breiten Betonstufen vor der Kuppel des Planetariums.

Während sich hinter uns im Foyer die Besuchermassen lichteten, prosteten wir uns zu.

Der Rakete bei der Demontage live zuzusehen fanden wir zu traurig, obwohl das Event von unserem Mann im All, Alexander Gerst, moderiert werden sollte.

Wir waren hergekommen, um mal wieder was total Aufbauendes mitzuerleben, etwas von dem Kaliber, was einem den Glauben an die Menschheit wiedergibt.

Einfach nachhause gehen, wenn das gecancelt wird? Schwierig. Wir tranken schweigend, sahen der Sonne beim Sinken hinter die Bäume der Prenzlauer Allee zu und den ersten Fledermäusen bei ihrem Zickzackkurs durch den Planetariumspark.

Bis uns zwei Frauen höflich, aber bestimmt von unseren Plätzen vertrieben.

Fotografinnen. Nein, eine Fotografin und eine Journalistin. Eine burschikos mit wilden Locken und T-Shirt, eine hübsch geföhnt in Rock und Bluse. Ich rückte automatisch zur Seite, Platz war genug, wo war das Problem?

Erst als mein Bruder aufstand und sagte: „Für ihn machen wir das doch gerne“, drehte ich mich um.
Hinter mir stand unser Mann im All, in seiner blauen ESA-Uniform und warf sich im Licht der untergehenden Sonne in Pose.

Das konnte er gut. Er war viel größer als ich gedacht hatte. Ich hatte mir Astronauten immer klein und wendig vorgestellt. Ähnlich wie Jockeys.

Ich meine, so viel Platz ist in Raketen und Raumstationen ja nicht, oder? Augenscheinlich ein Irrtum. Die Kamera klickte, die Mädels waren begeistert. „Hände in die Hüfte! Daumen in die Höhe! Cheese!“

Alexander Gerst machte alles mit. Wir waren die Einzigen, die seinen Modelshoot mitbekamen, alle anderen saßen drinnen im Saal und warteten auf ihn oder waren bereits nach Hause gegangen.

Als er genug gepost hatte, ging er mit den Mädels wieder rein.

Schließlich gab es noch die Demontage der Rakete zu covern. Aufbauen, Abbauen, war für ihn eins. Beides muss erledigt werden.

Und ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss, oder? Glaube an die Menschheit hin oder her.

An der Tür zum Foyer, die Mädels waren ihm bereits mit flatterndem Haar vorausgeeilt, blieb er stehen, drehte sich nochmal um, als hätte er was vergessen, blickte uns an und sagte „Danke.“

Wir hoben die Bierflaschen und prosteten ihm zu, er hob den Daumen.

Später, als wir wieder auf den Stufen saßen und es immer dunkler wurde, huschten Ratten zwischen den Blumenbeeten über die Parkwege, und hinten auf der Prenzlauer Allee fuhr langsam und seltsam still eine schneeweiße Stretchlimo mit schwarzen Fenstern vorbei und verschwand in der Dunkelheit.

Dass die Grille lauter zirpten als das Rauschen des Verkehrs von der Straße und der Mond inzwischen aufgegangen war, muss wohl nicht extra erwähnt werden.

Ich hatte mir Astro-nauten kleiner vorge-stellt

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