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Wie ich meinem Helden nie begegnet bin

Portfolio

Ach, Douglas Adams,

Ich bin Ule Hansen

Ule Hansen sind zwei: Mein Partner E.T. Hansen und ich. Er ist für das Grobe, ich für das Feine zuständig. Wir schieben die Fassungen hin und her, manchmal bis zu 12 Fassungen lang, und jeder überarbeitet den Text des anderen, bis ein Text entsteht, den weder ich noch er hätte allein schreiben können.

Durch das Schreiben habe ich gelernt, die Welt, die Menschen und mich selbst erst zu sehen.

Durch das Schreiben habe ich gelernt, die Welt, die Menschen und mich selbst erst zu sehen.

warum hast du das getan?

Warum bist du in Kalifonien aufs Fitnessgerät gestiegen und dann mit einem Herzinfarkt wieder heruntergefallen?

Ein britischer Gentleman tut sowas doch nicht.

Was hattest du vor, angeben mit deinem Körper am Venice Beach? Was hast du gedacht im letzten Moment deines Lebens? 42?

Nein, wohl eher: Ah, 49. So alt bist du geworden. Das ist nicht alt genug!

Erst vor kurzem hab ich mich gefragt, was wohl der nächste große Coup ist, den du planst. Es war Zeit, mal wieder was von dir zu hören. Aber mit so einer traurigen, absurden Überraschung hab ich nicht gerechnet. Du stirbst bei dem Versuch, gesund zu bleiben. In den USA. Während du mit Disney an deinem ersten Kinofilm arbeitest (das war der Coup). Das ist wieder ein schwerer Schlag für die britisch-amerikanische Freundschaft.

Du fehlst mir.

Als ich zwanzig war, frisch von zuhause weg und freudig orientierungslos in der Welt herumstand, gab mir mein neuer Nachbar den “Anhalter”.

Ich hatte gerade Besuch, und am nächsten Morgen sagte mein Besuch: “Hier kann man nicht schlafen! Ich habe dich die ganze Nacht lachen hören!”

Ich las alle vier Bände. Als ich fertig war, las ich sie wieder von vorn. Danach wusste ich, worauf es ankam.

So eine Art Humor hatte ich noch nicht erlebt. Er ging tief, er kratzte nicht bloß, er tat weh, er war sexy, er war schadenfroh und mitfühlend zugleich. Das ist es, dachte ich. So sollte man sein Leben leben. Das versuche ich jetzt auch.

Ich habe angefangen, dein Leben zu beobachten.

Du hast am Anhalter weiter geschrieben, und das war nicht mehr so gut. Die Zeit war vorbei, und ich habe mich gefragt, was wohl bei dir als nächstes kommt. Würdest du auf ewig der junge Kultautor mit dem einen Hit bleiben? Oder würde aus dir ein ernsthafter Autor werden, fragte ich mich, und oh Gott, würde mir das überhaupt gefallen?

Doch es kam immer etwas Neues bei dir, obwohl dich dein Hit ein Leben lang verfolgt hat. Es kamen Fantasy-Romane, von denen sich Joanne K. Rowling eine Menge abgeguckt hat.

Du warst der erste Autor, der öffentlich sagte, dass er im Internet schreiben will, als alle anderen noch das große Buchsterben ankündigten. Du hast ein Computerspiel geschrieben, und du hattest keine Berührungsängste vor dem Fernsehen, das Beste, was der BBC je passieren konnte.

Du bist erwachsen geworden.

Du hast Dinge gesagt, die nicht mehr so lustig waren.

Und dann kam dein Geniestreich: “Die letzten ihrer Art / Last Chance to see”.

Ich wollte dir immer mal die Hand geben und danken für deine unendliche Einfallskraft und Wandlungsfähigkeit. Ich hatte die Gelegenheit, aber damals dachte ich, ich hätte noch viel Zeit. Du bist ja kaum älter als ich! Das war bei deiner Lesung in der Heiligkreuzkirche. Du hast “Last Chance To See” gelesen. Ich wußte nicht, daß das Schicksal das so wörtlich meint.

Du hast aus dieser schönen traurigen Bibel des schwarzen Humors gelesen, von deiner Reise zu den aussterbenden Tierarten der Erde. Deine Fans waren unruhig. Sie wollten den “Anhalter” hören. Egal, was davon. Ich auch.

Wir rutschten auf den Bänken der Kirche herum. Du hast uns ruhig bekommen. Du hast uns zum Zuhören gebracht. Du hast uns traurig gemacht und zum Lachen gebracht.

Und als wir alle den Anhalter völlig vergessen hatten, hast du uns als Belohnung noch eine Seite daraus vorgelesen, obwohl du gar keine Lust hattest. Ich musste lachen, wie sehr du uns in der Hand hattest und trotzdem keine Kontrolle.

Ich mochte dich. Ich mochte deine scharfe Zunge, deine dunklen, ernsthaften Augen, die immer zu behaupten schienen: Ich bin nicht nur witzig! Ich bin auch traurig oder böse! Und die imposante Nase dazwischen, die mochte ich auch. Das freundliche Gesicht, das englische Tweedjackett, die perfekte Tarnung.

Ich fand es sehr symphatisch, daß du dich nicht groß inszeniert hast. Die Freude und Verehrung, die du ausgelöst hast, in der du hättest baden können, die waren dir fast unheimlich. Alter Brite. Deswegen hab ich dich auch in Ruhe gelassen. Ich Depp.

Mein priveligierter Freund, der dich auch sehr verehrt, hat dir mal in Cannes die Hand geschüttelt und dir von mir erzählt.

Er sagte: “Sie verehrt Sie sehr! (und dann, ich weiß auch nicht wieso:) Sie ist auch ein großer Fan von Star Trek.”

Und was hast du gesagt, Douglas Adams?

“Die Trekkies haben doch alle ’nen Schuss!”

Ich werde dich vermissen.

11. Mai 2001

Eine kurze Story über einen meiner Helden