Eine Autorin schreibt über sich selbst
Die Dinge meines Lebens
Wie ich ticke
Ich habe es immer metaphorisch verstanden, aber inzwischen glaube ich es ganz konkret: Wir alle sind Geschichten auf zwei Beinen.
Das ist es, was Leben ist. Ganz wortwörtlich.
Geschichten, die in Echtzeit ablaufen. Das ist nicht nur unsere Selbstwahrnehmung, es ist auch unsere Sprache, unsere Währung, unser Code.
Wir sind Hardware aus Fleisch und Blut mit der Software Bewusstsein und unser Programm heißt Geschichten. Alles und jedes wird uns auf diese Weise vermittelt. Neurowissenschaftler nennen es selektive Realitätsdarstellung, ich nenne es Geschichten. Denn genauso schreibe ich ja auch – indem ich mir Ausschnitte der Realität vorknöpfe und mir einen Reim darauf zu machen suche.
Immer wieder neu.
Hier eine Selektion von freien Reimen und kurzen Texten zum Beweis.
Viel Spaß!
Ach, Douglas Adams
Wenn der Weg nicht das Ziel ist
Die Vogelkonferenz
Als sich mal ein Astronaut bei mir bedankte
Gottes Lieferservice
Katzenjammer hin oder her – ich will singen!
Schreiben & Zweifel
Wer bin ich?
Der Sound des Lebens
Ach, Douglas Adams
Warum hast du das getan?
Warum bist du in Kalifonien aufs Fitnessgerät gestiegen und dann mit einem Herzinfarkt wieder heruntergefallen?
Ein britischer Gentleman tut sowas doch nicht.
Als sich mal ein Astronaut bei mir bedankte
Es war ein schöner Spätsommerabend in Berlin, als ich meinen ersten Astronauten traf.
Artemis 1, die neue Mondrakete, sollte an diesem Abend starten, aber als wir am Planetarium ankamen, wo alles live übertragen werden sollte, war der Start erneut verschoben worden.
Zum wievielten Mal jetzt?
Schreiben und Zweifel
Autoren können ihr eigener schlimmster Feind sein. Zum Beispiel, wenn eine Stimme im Kopf sagt, dass das alles nichts taugt, was du da tust. Zum Schreiben gehört die Disziplin, mit diesem Zweifel umzugehen – zu wissen, wann man ihn zum eigenen Vorteil nutzen und wann man ihn in den Schranken verweisen muss. Auch das will gelernt sein.
Wenn der Weg nicht das Ziel ist
Endlich gibt es eine psychische Krankheit, in der ich mich wieder finden kann.
Es heißt Existential OCD oder „existentielle Zwangsstörung“ und bezeichnet eine obsessive Beschäftigung mit existenziellen Fragen. Das sind Menschen, die die Finger von Fragen nicht lassen können, auf die es keine Antwort gibt.
Gottes Lieferservice
Gestern habe ich wieder was bestellt bei Gottes Lieferservice.
Kennen Sie den?
Da gibt es alles. Die Auswahl ist überwältigend und die Lieferzeit ist flott. Das kann man nicht toppen, da sind sich alle einig.
Er hat nur einen Nachteil: Man kriegt nie, was man bestellt hat.
Wer bin ich?
Ich bin das Kuscheltier, das ans Herz gedrückt wird und das Herz erwärmt.
Später vielleicht eine Katze, ein Hund oder Lämmchen. Dreh dich einmal um, und ich bin Mensch geworden: ein Wesen mit großen Augen und grenzenlosem Vertrauen und großen Erwartungen.
Die Vogel-konferenz
Ich höre sie, bevor ich sie sehe.
„Die Schwäne wollen nach Afrika“, sagt die Frau, die dicht neben mir vorbeiradelt. Schwäne? Sie meint sicher Störche. Aber auch die sind längt alle weg, es ist schon Anfang November. Außerdem – diese Rufe. Sie klingen nicht wie Gänseschnattern, aber auch nicht wie Kranichtrompeten. Sie klingen wie … eine Unterhaltung.
Katzen-jammer hin oder her, ich will singen!
Wenn ich singe, sind meine härtesten, unbestechlichsten Kritiker Lily und Lucy – meine beiden Katzen.
Egal was sie gerade tun – schlafen, sich putzen, spielen – sobald ich mit dem Üben anfange, flüchten sie blitzartig und mit gesträubtem Fell aus dem Zimmer.
Der Sound des Lebens
Wind.
Das Rauschen des Windes in den Baumkronen, wenn man direkt neben ihnen, quasi zwischen den Zweigen, auf dem Balkon im vierten Stock steht.
Dazwischen
kaum zu hören, aber immer wiederkehrend,
diese Mariachi-Band, die durchs Viertel zieht, die Straßen rauf und runter …
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